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Für mehr Hirn im Alltag

Wir sind Jäger und Sammler. Auch noch in der heutigen Zeit. Hungrig nach Informationen und Neuigkeiten durchforsten wir die Weiten des Internets, flexibel und schon lange nicht mehr an Ort und Zeit gebunden. Wir sind so hungrig, dass wir uns nicht einmal nach etwas Bestimmten suchend auf die Reise begeben und uns tagaus tagein den überdimensional großen Portionen des Datenflusses hingeben. Wir konsumieren alles, was auf uns niederprasselt. Informationen aufzunehmen ist geradezu banal, das kann sehr nützlich sein. Diese nachhaltig auszuwerten, kann aber auch zur Herausforderung werden.
Wir, das sind die Kinder der Neuen Medien, genauer gesagt des mobilen Internets. Digital Natives und Digital Immigrants sind die neuen Bezeichnungen für jene, die in die Zeit des Internets hineingeboren wurden, damit aufwuchsen und denen, die den digitalen Technologien erst als Erwachsene begegneten. Unterschiede zwischen diesen Generationen gibt es jedoch in deren Verhalten mit dem Umgang des Datenrausches kaum.
Dass eine Informationsflut herrscht, ist uns sicher allen bewusst. Was sie mit uns und unseren Denkvorgängen anstellt bleibt aber oft unbeachtet. Wir hetzen von Schlagzeile zu Schlagzeile, nutzen mehrere Medien parallel, nichts darf verpasst werden. Unsere Augen, unser Gehirn, unser Körper sind programmiert auf die Masse, die Schnelligkeit, und Zugänglichkeit verschiedenster Informationsquellen. Wir sind rasch gelangweilt und unsere Aufmerksamkeitsspanne wird durch den Drang nach einem konstanten Level an Stimulierung ständig auf die Probe gestellt.
Das Smartphone, unser neues mobiles externes Gehirn, ist zum neuen Körperteil geworden, zum unabdingbaren Medium. Wir können beobachten, wie das Lesen zum Scannen und Filtern, das Gedächtnis faul und träge wird. Die Konzentration verfliegt binnen Sekunden.
Wir passen uns an. Wie wir es schon immer getan haben.

[No2 S. 32]

Speed Up

Diese simple Animation hilft die Augenbewegung und die Koordination zu verbessern und zu beschleunigen. Es reicht schon täglich einmal den Zahlen 30 Sekunden lang mit dem Blick zu folgen.

 

speed-reading

 

 

Aufmerksamkeit, Bewegung und Wahrnehmung

Bewegung zu erkennen ist eine der wichtigsten Eigenschaften unserer Augen und somit unseres Gehirns. Wie kann unser Gehirn diese Momentaufnahmen zu einer Realität in fließenden Bewegungen zusammenfügen? Fixiere das schwarze Kreuz für ein paar Sekunden.

kreis

Während man das Kreuz betrachtet, vergleichen Neuronen im Virtuellen Cortex das aktuelle Bild ständig mit vorherigen Eindrücken. Spezielle Neuronen verarbeiten die unterschiedlichen Positionen von Objekten auf den Einzelbildern, wodurch wir sie als bewegt wahrnehmen. In diesem Fall hinterlässt der ausgesparte Punkt ein Nachbild auf der Netzhaut. Wenn dieses Nachbild seine Position verändert, erkennt das Gehirn darin ein Muster, das als Bewegung interpretiert wird. Die Einzelbilder ergeben einen kreisenden gelben Punkt. Unser Gehirn gibt sich ständig, auch unbewusst, der Illusion von Bewegung hin. So funktioniert der Film. Diese Funktion bringt unser Gehirn dazu, aufmerksam zu sein, auch für eine längere Zeitspanne.

Modalität

Die Graphiken auf den Innenseiten des Magazins No2: Lernen entstammen aus meinem Interview mit Prof. Dr. Münzer und entstanden mittels einer Java- und Processing-basierten Software*. Diese visualisiert akustische Signale in Echtzeit und gibt sie als Bildkomposition aus. Die Gestaltungsparameter orientieren sich an der menschlichen Wahrnehmung und dem Phänomen der Synästhesie. So führen leise Töne und tiefe Frequenzen zu kleinen, gesättigten und dunklen Elementen im Endbild. Laute Töne und hohe Frequenzen ergeben große, transparente und helle Elemente. Dabei kann deren Grundform, die Farbpalette oder die Empfindlichkeit der Abtastung variabel beeinflusst werden.
Ganz im Sinne der Modalität möchte ich hier Reizkopplungen abstrakt visualisieren. Hörbare Sprache wird so zu sichtbaren Bildern. Jede Doppelseite zeigt die jeweilige Visualisierung der beantworteten Frage.
Das Bild, das ihr auf Seite 16 und 17 seht, baut sich im Zeitraffer folgendermaßen auf:

Digital Detox

7 Tage Versuchskaninchen

Im Prozess dieser Arbeit wurde mir bewusst, wie viel Zeit ich unnötig an meinem Smartphone klebe. Dieser kleine Taschencomputer hat meine Gewohnheiten, mein Verhalten und meine Wahrnehmung so stark beeinflusst, dass ich nur noch eine Chance sehe, wieder zu meinem prä-internetfähigen Gehirn zu gelangen: Ich gehe offline. Für eine Woche. Das klingt erstmal nicht viel, aber ich werde wohl schon nach zehn Minuten merken, dass ich den automatisierten Slide über das Display meines Smartphones streng und bewusst zurückhalten muss.
Ich erwische mich oft, wie ich ohne wirklichen Grund das Fenster meines Browsers öffne, Soziale Netzwerke nach trivialen "Neuigkeiten" kontrolliere, unzählige kleine Bilder rollen innerhalb von Sekunden an meiner Netzhaut vorbei. Und das, obwohl ich eigentlich doch gar keine Zeit habe.
Ich wurde also mein persönliches Versuchsobjekt. Sieben Tage versuchte ich mit Hilfe eines offline Detox meine Fähigkeit zurückzuerlangen ein Buch zu lesen und wieder klare, reflektierte Momente zu erleben. Dies schaffte ich seit Monaten nicht mehr. Gründe dafür sind das Gefühl von Zeitverschwendung und Hektik, ein Minimum an Konzentration und Geduld und die kleinste Aufmerksamkeitsspanne, die ich je hatte. Mein Notizbuch begleitete mich während dieser Zeit und ich offenbare dessen Inhalt und Fazit im Folgenden für besonders schnelle Leser.

 

journal

No1 No2 No3 No4

Was passiert gerade mit uns?

Befinden wir uns in einem Wahrnehmungswandel?
Wie wirken sich die digitalen Informationsmassen auf unsere kognitiven Fähigkeiten aus und wie können wir mit unserem Verhalten auf diese Auswirkungen reagieren? Welches Potential kann dieser Wandel haben und welche Rolle können Kommunikationsdesigner dabei spielen?
Diese Arbeit soll eine persönliche Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Neuen Medien, insbesondere des mobilen Internets, auf die Aufmerksamkeitsspanne sein und sich der Leitfrage unterziehen, ob man durch mediale und verhaltensgesteuerte Strategien die Aufmerksamkeitsspanne beeinflussen kann.

Ich habe meine Aufmerksamkeit und die Aufmerksamkeitsspanne im Hinblick auf die Informationsverarbeitung analysiert und versucht, kognitive Prozesse und die Veränderungen im Lern- und Denkverhalten in dieser Arbeit aufzuzeigen. Vorhandene Daten wurden durch neue Wege visualisiert, um sie spannend auffassbar zu machen. Unterstützt werden meine Fragen und Thesen durch ein Interview mit Prof. Dr. Stefan Münzer, dem Leiter des Lehrstuhls für Bildungspsychologie an der Universität Mannheim, der uns eine Einführung in die Lernpsychologie gibt, einer Umfrage über das Nutzungsverhalten von mobilen Medien, einem mehr oder weniger schmerzhaften Selbstversuch und einem Kurzinterview mit dem preisgekrönten schweizer Journalisten David Bauer, Buchautor, Digitalstratege, Dozent und Berater mit Schwerpunkt auf Technologie, Medien und ihren Schnittstellen.
Als Endprodukt entstand eine taktil gestaltete Magazinreihe, die mittels Grafiken, Typographie, Haptik, sinnlicher Erfahrungen und Semiotik auf das Phänomen aufmerksam macht und vielleicht dagegen "ankämpfen" kann.

Ich habe mich in No1 mit dem Thema rund um die Aufmerksamkeitsspanne befasst und mich gefragt, was ausschlaggebend ist, um diese zu beeinflussen. Das werde ich in Bezug auf die Themen Lernen in Magazin No2 und Lesen in No4 untersuchen. Magazin No3 beinhaltet einen Teil der Ergebnisse meiner Umfrage über das Nutzerverhalten von Neuen Medien und deren Auswirkungen.

Hier ist nun das gedruckte Ergebnis aus zusammengefassten Geschichten, Eindrücken, Gefühlen und Daten meiner Reise. Es soll nicht werten oder leiten. Es darf aber zu Denkanstößen anregen.

No3
Download der Umfrage Ergebnisse

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Impressum

Diese Seite entstand im Rahmen meiner Bachelor-Arbeit:

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Die Auswirkungen der Neuen Medien auf die Aufmerksamkeitsspanne

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Dammstraße 52
68169 Mannheim

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* Software Programmierung für die Visualisierung in Heft No2: Karolina K. Wojtaszek